Kleine Idee mit großer Wirkung

15 January 2017 - 06:38, von Kerstin Wemheuer, in #bpkleingross , 16 Comments

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Wie ich Herausforderungen annehme, indem ich sie einfach anders bewerte

In diesem Beitrag lasse ich Dich an einer meiner größten Herausforderungen in meinem Leben teilhaben. Du erfährst, was passiert, wenn Du Probleme nicht mehr als Probleme betrachtest, sondern als Herausforderungen, die Dein Leben bereichern und wie Du zufriedener und dankbarer sein kannst, wenn Du Dir aus den Steinen, die Dir vermeintlich in den Weg gelegt werden, etwas Schönes erbaust, was Dir eine ganz neue Perspektive verschaffst.

"Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen." Aristotels

„Kleine Idee mit großer Wirkung“ ist der Titel der Blogparade von Jan Höpker – HabitGym. Es geht um kleine Ideen, die dann doch große Auswirkungen auf unser Leben haben. Hier erfährst Du etwas von einer kleinen Idee, die in meinem Leben immer wieder eine große Auswirkung hat.

Prinzipiell kann so eine kleine Idee von überall herkommen. Ein Zitat. Eine Begegnung mit einem anderen Menschen. Ein Lied, das im Radio gespielt wird. Ein Business Seminar oder der Slogan auf einem Großformat-Plakat am Hauptbahnhof.

Meine kleine Idee wurde mir geschenkt in den ersten Stunden nach der Geburt meines Sohnes Jonas. Das ist schon recht lange her, denn Jonas wird jetzt Ende Januar 18 Jahre alt. Volljährig. Bei den meisten jungen Leute der Schritt in die große Freiheit und Selbstständigkeit. Bei Jonas ist das anders. Wie so vieles. Mein Sohn wurde mit Trisomie 21 geboren. Vielen besser bekannt als Down-Syndrom.

Bis zu seiner Geburt verlief mein Leben wie im Bilderbuch. Eine glückliche und recht unkomplizierte Kindheit, eine entspannte Schulzeit, ein großartiger Freundeskreis in  meiner Teenagerzeit, Abitur, Ausbildung, erste eigene Wohnung, Traumhochzeit, eine wunderbare Schwangerschaft, alles tip top. Die Rama Werbung könnte ein Abbild meines Lebens sein. Ich bin ein Glückskind. Das behaupte ich heute nach wie vor.

Und dann kam Jonas auf die Welt. Die Diagnose kam unmittelbar nach der Entbindung. Das an sich war kein Problem für mich. Aber ich wusste aus meiner Vergangenheit, dass die Herausforderung das Umfeld war. Behörden, Bekannte usw. Das größte Problem, dass Menschen mit einem Handicap (und ihre Familien) erleben müssen, ist oft, dass sie von ihrem Umfeld und den Menschen um sie herum behindert und eingeschränkt werden.

Da hatte ich also meine Herausforderung. Und gleichzeitig erkannte ich in dieser Situation den Sinn meines Lebens. Ich sollte dieses Kind zu einem glücklichen und zufriedenen Erwachsen erziehen und in seiner Entwicklung unterstützen. Keine Ahnung wie, aber es erfüllte mich mit einer unglaublichen Zufriedenheit diesen Sinn und Gedanken erfasst zu haben.

Die „kleine Idee“, die dann vieles geändert hat, entstand durch eine ungezwungene Aussage meiner Oma. Sie stellte nämlich ganz kurz und bündig fest:

[ctt template="2" link="dRc49" via="yes" ]„Alle, die das jetzt schwarz sehen, malen wir bunt an!“ Wilma Reher  @kerstinwemheuer[/ctt]

Und das wurde bildlich gesehen zu meinem Programm. Das Leben gibt uns manchmal Aufgaben, die echt zunächst schwierig oder sogar unlösbar erscheinen. Aber dann den Kopf in den Sand stecken und jammern? Das ist auch keine Lösung. Bringt mich zumindest nicht voran.

Annehmen, anders bewerten und das Beste daraus machen. Das ist die Idee, die ich aus dieser wundervollen Aussagen entwickelt habe.

Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück. Es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt. Lucius Annaeus Seneca

Ja, es ist schwierig und auch oft anstrengend ein Kind mit besonderen Bedürfnissen groß zu ziehen. Ja, es gab Tage, die waren echt grenzwertig und habe mich und meine Familie und Freunde an Grenzen gebracht. Das will ich gar nicht beschönigen.

ABER es gab und gibt viel mehr Tage und Erfahrungen, die wir erleben durften und dürfen, gerade weil uns immer wieder die Herausforderungen gestellt wurden.

Wenn heute mal wieder so ein Kracher passiert, dann stelle ich jetzt erstmal die Fakten fest. Und dann suche ich die Lösung. Es liegt ja ganz allein bei mir, wie ich die Situationen bewerte und damit umgehe. Die Situationen kann ich mir nicht immer aussuchen, aber ich kann wählen, wie ich damit umgehe.

Und oft hilft es mir sehr, wenn ich mir so einen schwarzen Tag einfach bunter gestalte. Es geht nicht darum Dinge, die nicht schön oder unangenehm sind, zu ignorieren oder mir schön zu reden. Es geht darum genau hinzusehen, ob und wo da überhaupt Herausforderungen sind. Und vor allem geht es darum, auf die schönen und bunten Dinge und Situationen im Leben zu schauen und darauf zu fokussieren.

So sind zum Beispiel die sogenannten Kulturtechniken (Lesen, Schreiben und Rechnen) eine echte Herausforderung für meinen Sohn. Lesen und Schreiben geht so lala, aber über Mathematik brauchen wir nicht reden. Jetzt kann ich (oder seine Lehrer) versuchen mit viel Druck und Ausdauer ihm die Zahlen und das Rechnen beizubringen. An seiner Schwäche zu arbeiten, damit es vielleicht mit viel Leid und Tränen eine kleinere Schwäche wird. Aber es wird nie zu seinen Stärken gehören.

Jetzt kann ich also darüber enttäuscht sein, dass mein Sohn das nicht beherrscht. Könnte ich. Will ich aber nicht. Das wäre Schwarzmalerei. Und das entspricht so gar nicht meiner Natur.

Ich kann aber auch ganz einfach auf seine Stärken schauen! Und die hat er. Absolut. Jonas denkt sehr lösungsorientiert. Wenn er eine Herausforderung für sich erkennt, kriegt er sie gelöst. Ganz sicher und sehr souverän. Mit viel Charme und im Zweifel mit jemanden, der die Herausforderung für ihn löst.

Das habe ich von meinem Sohn, in dessen Behindertenausweis „schwerstmehrfach behindert“ steht -gelernt. Das und viele andere Dinge, die wohl in die Bereiche Soziale und Emotionale Intelligenz fallen. Jonas hat auch einigen anderen Menschen in seinem Umfeld in diesen Gebieten eine Menge beigebracht, indem er es ihnen vorlebt, wie bunt seine Welt ist und wie leicht viele Dinge im Leben sein können, anstatt schwarz, schwierig und schwer.

"Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt … "

Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, kurz „Pipi Langstrumpf“

Meine Oma war eine sehr kluge und liebenswerte Frau. Ich könnte weitaus mehr „kleine Ideen“ aufzählen, die ich von Ihr lernen durfte. Dafür bin ich sehr dankbar und fühle mich immer wieder beschenkt. Auch ich wurde „bunt angemalt“ in den Momenten, wo ich mal was schwarzgesehen habe.

Heute liebe ich es, Menschen dabei zu unterstützen ihre Welt bunter zu sehen und farbiger zu gestalten. Die kleine Idee hat dazu beigetragen, dass mir das immer wieder gelingt. Kleine Idee – großes Geschenk. So empfinde ich das. So bin ich. Ganz einfach ich.

Wie siehst Du das? Malst Du Dir Deine Welt auch lieber bunt oder denkst Du in schwarz oder weiß? Wie sind Deine Erfahrungen damit? Wie gehst Du Herausforderungen an?

Und gibt es auch bei Dir eine kleine Idee, die große Auswirkungen hatte? Wenn Du magst, dann berichte mir davon. Ich bin gespannt, was es bei Dir war.

Herzliche Grüße

Deine Kerstin

Kerstin Wemheuer
Über die Autorin: Kerstin Wemheuer

Erfolgscoach und Expertin für Zielerreichung. Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht Deine Ziele, Wert und Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Ohne Druck und einem optimalen Ergebnis für Dich. In meinem Coaching musst Du kein fremdes Verhalten lernen oder antrainieren, um Dein Problem oder Deine Angst zu meistern. Jede Veränderung ist die logische Folge Deines neuen Bewusstseins, dass Du im Coaching erlernst. So kannst Du Dich und Dein Leben nachhaltig verändern und Deine Ziele erreichen – ohne belastenden Druck und im Einklang mit allen Deinen Werten.