"Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist."
Eleanor Roosevelt
Wenn du dir gewünscht hast, dass 2026 leichter wird, habe ich eine unbequeme Wahrheit für dich: Es wird nicht leichter, nur weil du es dir vornimmst. Und auch nicht, weil du dir auf die Fahne geschrieben hast, dieses Jahr entspannter anzugehen. Klingt hart? Vielleicht. Aber genau hier beginnt echte Veränderung, mit Ehrlichkeit. Und damit bist du nicht allein. Viele kluge, erfahrene Menschen stehen gerade an dieser Schwelle.
Wir alle kennen sie, diese energiegeladenen ersten Tage im Januar. Neues Jahr, neue Ziele. Und dann? Zwei, drei Wochen später fühlt sich alles wieder an wie vorher. Mehr Druck. Mehr To-dos. Und irgendwo dieses leise "Ich verstehe nicht, warum es bei mir so schwer ist".
Das liegt nicht daran, dass du zu wenig Disziplin hast. Oder nicht stark genug bist. Es liegt daran, dass du, wie viele, auf eine entscheidende Zutat verzichtest: Innere Ehrlichkeit. Nicht nach außen, sondern nach innen. Denn Selbstführung beginnt nicht mit Planung. Sie beginnt mit Hinschauen.
In meinen Coachings sehe ich es immer wieder: Unternehmer:innen und Führungskräfte hoffen auf Veränderung im Außen, ohne sich selbst im Innen zu verändern. Das Muster: Prozesse werden optimiert, Strategien überarbeitet, neue Tools implementiert. Alles wichtig, aber das Menschliche bleibt oft unberührt.
Die Wahrheit ist: Veränderung beginnt nicht mit neuem Handeln. Sie beginnt mit neuem Fühlen. Und genau das vermeiden wir, aus einem guten Grund: Unser Gehirn liebt Sicherheit. Und Veränderung fühlt sich erstmal gefährlich an, auch wenn sie das heute objektiv nicht mehr ist.
Angst ist kein Zeichen von Schwäche. Angst ist ein Hinweis, dass du an einer Schwelle stehst. Viele überspielen diese Angst mit Aktionismus, Ablenkung oder Schuldzuweisungen nach außen. Doch Veränderung entsteht nicht durch noch mehr Tun, sie entsteht durch ehrliches Fühlen.
Wenn du also spürst, dass dich ein Thema immer wieder innerlich umtreibt, sei es eine Entscheidung, eine berufliche Neuorientierung oder ein Gespräch, das du meidest, dann ist genau da dein Entwicklungspotenzial. Und deine Freiheit.
Wir haben gelernt, dass Dinge wertvoll sind, wenn sie schwer waren. Dass man sich Ergebnisse verdienen muss, durch Kampf, durch Mühe, durch Disziplin. Und wir verwechseln Leichtigkeit mit Oberflächlichkeit.
Ich habe selbst lange geglaubt: Nur was weh tut, ist richtig. Heute weiß ich: Das ist ein Irrtum. Leichtigkeit ist kein Zufall. Sie ist kein Luxus. Und sie ist kein Zeichen mangelnder Tiefe. Leichtigkeit entsteht, wenn ich loslasse, was nicht (mehr) zu mir gehört. Wenn ich ehrlich bin mit mir selbst. Nicht perfekt, nicht angstfrei, aber echt.
Mut sieht von außen oft stark aus. Klar. Selbstbewusst. Souverän. Aber innerlich? Ist Mut oft zitterig. Zweifelnd. Unsicher. Und genau deshalb ist er so kraftvoll. Weil er echt ist.
Veränderung bedeutet, sich selbst zu begegnen. Und das ist der eigentliche Mut: Nicht mehr vor sich selbst wegzulaufen.
In Gesprächen mit Unternehmer:innen höre ich oft Sätze wie: "Ich hab Angst, falsch zu investieren" oder "Ich halte mein Geld lieber zusammen, man weiß ja nie." Vermeintlich rational. Tatsächlich oft emotional. Denn hinter der Angst, Geld auszugeben oder zu verlieren, steckt oft etwas anderes: Angst, die Kontrolle zu verlieren. Angst, nicht genug zu sein. Angst, sichtbar zu werden.
Und genau hier wirkt Selbstführung. Nicht, um diese Angst wegzumachen, sondern um ihr zuzuhören. Und zu merken: Ich bin sicher. Auch mit Angst. Auch im Ungewissen.
Was, wenn dein nächster Schritt nicht aus Disziplin besteht, sondern aus Mitgefühl? Was, wenn es nicht darum geht, besser zu funktionieren, sondern dir selbst zuzuhören?
Stell dir in den nächsten Tagen eine einfache Frage: Welche Veränderung vermeide ich gerade, und was fühle ich, wenn ich daran denke? Schreib es auf. Ohne Filter. Ohne Lösung. Nur ehrlich. Das ist der Anfang. Nicht das Ende.
Du brauchst keine Wochenend-Seminare oder neuen Kalender. Du brauchst zehn Minuten. Ohne Handy. Ohne Ablenkung. Nur du mit dir. Und die Erlaubnis, ehrlich zu sein. Zu dir. Nicht perfekt. Sondern menschlich. Genau darin liegt deine Kraft.
Erinnere dich: "Natürlich habe ich Angst. Und trotzdem bin ich sicher."
Diese innere Sicherheit ist nicht laut. Sie ist nicht dominant. Aber sie ist verlässlich. Und sie entsteht, wenn du aufhörst, gegen dich zu kämpfen. Wenn du anfängst, dich zu führen, mit Freundlichkeit.
Es wird leichter, weil du loslässt. Weil du ehrlich wirst. Weil du dir selbst begegnest. In diesem Raum entsteht nicht Chaos, sondern Entwicklung. Und plötzlich fühlt sich Veränderung nicht mehr an wie Kampf, sondern wie Leben.
Und wenn du heute nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Die Angst geht nicht weg, bevor du losgehst. Sie geht mit. Und genau das ist okay.
Ich wünsche dir ganz viel Freude und geniale neue Erkenntnisse bei dieser Folge!
Deine Kerstin