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Führen in stürmischen Zeiten | Kerstin Wemheuer

Geschrieben von Kerstin Wemheuer | 25.03.2026 06:44:00

Warum du auch in bewegten Momenten präsent führen kannst und wie kleine Impulse dir sofort mehr Ruhe geben

Es gibt Zeiten, in denen das Leben innen lauter ist als außen. Zeiten, in denen du führst, obwohl du selbst das Gefühl hast, dass du erst einmal tief durchatmen müsstest. Vielleicht kennst du diese Momente, in denen deine Gedanken schneller sind als deine Schritte, dein Kalender voller ist als dir lieb ist und eine kleine Kleinigkeit ausreicht, um dich innerlich kurz ins Schwanken zu bringen. Genau darüber sprechen wir heute.

In diesem Artikel tauchen wir gemeinsam in die Frage ein, warum diese innere Unruhe entsteht, wieso sie nichts über deine Qualität als Führungsperson aussagt und wie du in stürmischen Momenten wieder zu dir zurückfinden kannst. Du erfährst, was passiert, wenn du dieser Unruhe zu lange nichts entgegensetzt, warum sie sich manchmal wie ein Dauerton anfühlt und wie mehr Klarheit über deine Persönlichkeit dir hilft, bestimmte Reaktionen nicht mehr als Schwäche, sondern als Hinweis zu sehen.

Zum Schluss bekommst du eine einfache Übung, die du überall anwenden kannst, um dich in wenigen Sekunden wieder innerlich zu stabilisieren. Und dann schließen wir mit einem Gedanken, den ich dir gern mitgeben möchte, wenn du gerade mitten im Wellengang stehst.

 

Ein Moment mitten im echten Leben

Es gibt diesen einen Satz, der häufig fällt, wenn ich mit Führungspersonen spreche. Er lautet meistens: Ich habe doch nur kurz durchatmen wollen. Und genau in diesem Moment ging es wieder los.

Neulich stand ich selbst in genau so einer Szene. Ich hatte frisch geduscht, meine Haare tropften noch, der Hund bellte völlig empört den Staubsauger an, als hätte er ihn nie zuvor gesehen, und in der Küche duftete es nach dem Kaffee, den ich mir gerade eingeschenkt hatte. Die Waschmaschine piepte im Hintergrund, als wäre sie die Dirigentin dieses Morgenorchesters. Genau in diesem Moment vibrierte mein Handy. Ob ich in zehn Minuten im Meeting sein könne.

Ich musste leise lachen, weil es so sehr nach meinem Leben aussah. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Alltagsmusik, ein bisschen zu viel um mich herum und gleichzeitig dieser Anspruch, trotzdem präsent zu sein. Vielleicht kennst du das. Du jonglierst noch das eine, willst eigentlich kurz ankommen, und schon ziehst du innerlich die nächste Rolle an.

Es sind diese kleinen, alltäglichen Situationen, in denen uns bewusst wird, wie oft wir gleichzeitig leben und führen. Wie oft wir zwischen Verantwortung, Emotionen und Anforderungen hin und her wandern, ohne dass unser System zwischendurch wirklich zur Ruhe kommt.

 

Warum diese innere Unruhe entsteht

Innere Unruhe entsteht selten schlagartig. Sie ist nicht der große Sturm, sondern eher der stetige Wind, der über Tage, Wochen oder sogar Monate hinweg bläst. Vielleicht spürst du seit einiger Zeit eine leichte Grundspannung. Vielleicht bist du viel am Organisieren, Koordinieren, Entscheiden. Vielleicht willst du es allen recht machen, auch wenn du weißt, dass das gar nicht möglich ist.

Die Wahrheit ist: Niemand von uns ist dafür gemacht, dauerhaft im Funktionsmodus zu sein. Und doch passiert genau das sehr schnell. Meetings, E-Mails, Teamfragen, spontane Herausforderungen, persönliche Themen. Dein Kopf bleibt wach, selbst wenn der Körper gern ruhen würde.

Dazu kommt dieser leise, innere Anspruch. Der Gedanke, dass du stabil sein solltest, weil andere sich auf dich verlassen. Der Wunsch, souverän zu wirken, auch wenn es in dir gerade ganz anders aussieht. Diese Vorstellung, dass eine Führungsperson nicht wackeln darf.

Diese Gedanken erzeugen Druck, auch wenn sie sich klein anfühlen. Sie lassen dich schneller reagieren, statt bewusst zu handeln. Sie halten dich davon ab, nach innen zu hören. Sie blockieren den Moment, in dem du eigentlich sagen würdest, dass du gerade eine kurze Pause brauchst.

Unruhe entsteht also nicht, weil du etwas falsch machst. Sie entsteht, weil du Mensch bist. Und weil du mehr trägst, als du manchmal bemerkst.

 

Wenn wir der inneren Unruhe zu lange nichts entgegensetzen

Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn sich ein Tag anfühlt, als würdest du auf einer unruhigen Wasseroberfläche stehen. Du bist nicht in Gefahr, aber du musst dich ständig leicht ausbalancieren. Jeder kleine Impuls zieht ein bisschen mehr Energie. Jedes neue To Do kostet etwas mehr Kraft als sonst.

Wenn du dieser inneren Unruhe lange nichts entgegensetzt, dann verändert sich etwas. Zuerst kaum spürbar. Du wirst etwas dünnhäutiger bei Kommentaren, die dich früher nicht berührt hätten. Du reagierst schneller. Du bist weniger präsent. Vielleicht nimmst du wahr, dass dein Team dich anders erlebt, auch wenn es niemand ausspricht.

Mit der Zeit verändert sich auch deine Entscheidungsfähigkeit. Du triffst Entscheidungen nicht mehr aus Klarheit, sondern aus dem Wunsch heraus, etwas vom Tisch zu bekommen. Gespräche werden kürzer. Du hörst weniger aufmerksam zu, obwohl du es gar nicht möchtest. Und vielleicht merkst du irgendwann, dass du von einem Tag in den nächsten rutschst, ohne das Gefühl von echter Präsenz.

Das Verrückte daran ist: Der Mensch kann erstaunlich lange in diesem Zustand bleiben. Wir sind Meister darin, uns selbst zu übergehen. Doch irgendwann kommt ein Moment, in dem du spürst, dass es nicht weitergeht. Und genau dieser Moment ist der Punkt, an dem du anfangen darfst, etwas zu verändern.

 

Warum innere Unruhe nichts über deine Führungsqualität aussagt

Hier liegt ein Missverständnis, das ich bei vielen Führungspersonen sehe. Der Glaube, dass man nur dann gut führt, wenn man innerlich vollkommen klar, ruhig und gesammelt ist. Als wäre Führung ein Zustand der Perfektion.

Doch das ist nicht wahr. Führung passiert mitten im echten Leben. Inmitten von Familiengeschichten, vollen Kalendern, Überraschungen, Emotionen und spontanen Wendungen. Niemand führt aus einem luftleeren, sterilen Raum heraus. Jeder Mensch hat sein eigenes Päckchen, seine eigenen Gedanken und seine eigenen Wellen.

Innere Unruhe bedeutet nicht, dass du nicht gut führst. Sie bedeutet, dass du fühlst. Sie bedeutet, dass dir etwas wichtig ist. Und sie bedeutet, dass dein System dir sagen möchte, dass es Zeit ist, kurz hinzuschauen.

Gute Führung entsteht nicht, wenn du immer stark bist. Sie entsteht, wenn du präsent bist. Wenn du ehrlich bist. Wenn du mit dir selbst verbunden bist. Und manchmal auch, wenn du einfach sagst: Ich brauche kurz einen Moment.

 

Warum Orientierung auch dann möglich ist, wenn du selbst noch sortierst

Eine der größten Ängste vieler Führungspersonen ist die Sorge, dass sie ihr Team verunsichern könnten, wenn sie nicht vollkommen klar sind. Doch die Wahrheit ist: Menschen brauchen keine perfekten Antworten. Sie brauchen Präsenz.

Du musst nicht wissen, wie die nächsten vier Schritte aussehen. Es reicht, wenn du den nächsten siehst. Es reicht, wenn du klar sagst, was du prüfen musst. Es reicht, wenn du offen kommunizierst, dass du dich meldest, sobald du mehr weißt.

Teams folgen Menschen, nicht Konzepten.
Sie folgen Präsenz, nicht Perfektion.
Sie folgen Echtheit, nicht einer Fassade.

Dein Team braucht dein Bewusstsein, nicht deine Makellosigkeit.

 

Der Ursprung deiner Reaktionen liegt oft in deiner Persönlichkeit

Wenn du verstehen möchtest, warum dich bestimmte Situationen stärker berühren als andere, lohnt sich ein Blick nach innen. Jeder Mensch bringt ein eigenes emotionales und kognitives Profil mit.

Einige reagieren empfindlicher auf Stress. Andere sind empfänglicher für Stimmungen im Raum. Wieder andere brauchen mehr Struktur, um sich sicher zu fühlen. Und manche springen schneller an, wenn es hektisch wird.

Diese Reaktionen sind kein Zufall. Sie sind Teil deines Persönlichkeitsprofils.

Wenn du weißt, welche Muster in dir aktiv sind, kannst du viel bewusster mit dir umgehen. Du erkennst früh, wann du dich übergehst. Du spürst deutlicher, welche Art von Erholung du brauchst. Du kannst Situationen vorhersehen, die dich herausfordern, und dir bewusst etwas an die Seite legen, das dich unterstützt.

Ein Deep O.C.E.A.N. kann hier ein wertvolles Werkzeug sein. Nicht als Bewertung. Eher wie eine innere Landkarte, die dir zeigt, wo deine Stärken liegen, wo du sensibel reagierst und wie du dich in stürmischen Zeiten besser begleiten kannst.

 

Eine Übung, die dich sofort zurück zu dir bringt

Bevor wir zum Schluss kommen, möchte ich dir eine Übung geben, die du jederzeit anwenden kannst. Sie ist klein, unscheinbar und doch unglaublich kraftvoll. Sie hilft dir, dich in wenigen Sekunden innerlich zu sortieren.

Stell dir vor, du bist in einer Situation, die dich kurz überrumpelt. Ein spontanes Meeting. Eine unerwartete Frage. Ein Moment, der dich innerlich schneller hochschalten lässt, als dir lieb ist.

In dieser Situation gibt es drei Schritte.

Erstens: Atme einmal bewusst aus.
Nicht tief ein. Aus.
Der Körper entspannt sich beim Ausatmen. Es ist das Loslassen, das wirkt, nicht das Einatmen.

Zweitens: Suche einen ruhigen Punkt im Raum.
Eine Tasse.
Eine Pflanze.
Ein Lichtreflex.
Etwas, das nichts von dir will.

Drittens: Bleibe für einen kurzen Moment mit deinem Blick dort.
Eine bis zwei Sekunden reichen.

In dieser kurzen Verbindung zwischen dir und dem ruhigen Punkt entsteht innerer Raum.
Dein Nervensystem bekommt die Chance, den Alarmpegel zu senken.
Dein Körper erinnert sich daran, dass du sicher bist.

Und in genau dieser kleinen Pause findest du zurück zu dir.
Nicht über große Techniken. Sondern über einen winzigen Moment des Bewusstseins.

 

Mein Fazit

Führen in stürmischen Zeiten bedeutet nicht, dass du immer vollkommen gesammelt sein musst. Es bedeutet, dass du da bist. Dass du atmest. Dass du weitergehst, auch wenn der Boden unter dir gerade etwas wackelt.

Du darfst wackeln.
Du darfst fühlen.
Du darfst dir Unterstützung holen.

Denn genau in diesem bewussten Innehalten entsteht die Kraft, die du brauchst, um wieder klar zu führen. Dort beginnt echte, menschliche, lebendige Führung.

Deine Kerstin

 

Mehr über mich


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